“Och nee, Tortilla hatte ich gestern schon”

Schon seit ein paar Wochen schiebe ich dieses Thema vor mich her und doch führt ja kein Weg an ihm vorbei: Mexikanisches Essen. Zu diesem Thema kann ich wahrscheinlich drei Blogeinträge schreiben und mexikanisches Essen wäre als Gesprächsthema sicher ein abendfüllendes Programm. Daher werde ich mich heute auf die Tortilla beschränken, das neben Chili wahrscheinlich typischste Kennzeichen der mexikanischen Küche. Die Tortilla ist ein gebackener Fladen aus Maismehl. Es gibt sie auch aus Weizenmehl, aber in dieser Form ist sie nicht so wandelbar und gehört so wohl auch eher zur Tex-Mex Küche. Also die für Mexiko typische Tortilla ist aus Maismehl. Sie kommt in verschiedenen Formen, Farben und Gröβen daher,  wird gefüllt, frittiert und in Soβe gebadet:

Tortillas : Einfache Tortillas werden warm gemacht generell zu jedem Essen gereicht.

Tacos : Wahrscheinlich Mexikos berühmtestes Essen: Tacos sind kleine, dünne Tortillas, von denen zwei oder drei übereinander gelegt werden. In die Mitte kommt Fleisch mit Zwiebeln, Koriander und Ananas. Einfach die Tacos rechts und links hochklappen und ab in den Mund.

Quesadillas : Gröβer und etwas dicker als Tacos werden sie mit Käse und bei Bedarf mit Gemüse wie Kartoffel (die zählen in Mexiko zu Gemüse), Pilzen (vor allem Champignons oder Huitlacoche) oder der Zucchiniblüte (Flor de calabaza) gefüllt. Die Quesadilla einmal in der Mitte ‘falten’, warten bis der Käse zerlaufen ist und fertig.

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(aufgeklappte Quesadillas)

Enchiladas : Während man Tacos und Quesadillas generell pro Stück bestellt und je nach Hunger die Anzahl angepasst wird, ist Enchiladas ein komplettes Gericht. Meist liegen 3 aufgerollte, mit Hühnchen gefüllte Tortillas auf einem Teller nebeneinander. Sie schwimmen in Salsa (roter oder grüner scharfer Soβe aus Chili) und haben oben drauf  Blattsalat und Sahne.

Enchiladas suizas : Das gleiche wie Enchiladas, nur sind sie noch mit Käse überbacken.

Enfrijoladas : Mit Käse oder Fleisch gefüllte Tortillas, aufgerollt oder zusammengeklappt und mit Bohnenmus bedeckt. Entomatadas sind das gleiche nur in Tomatensoβe schwimmend.

Gorditas : Kleinere, dickere Tortillas, die nach dem Vorbacken in der Mitte aufgeschnitten und gefüllt werden – mit Fleisch, Gemüse, Käse oder Ei zum Beispiel. Danach werden sie gefüllt noch ein wenig weiter gebacken.

Sopes : Während bei allen bisherigen Gerichten die Tortillas in irgendeiner Art und Weise gefüllt werden, passiert das beim Sope nicht. Der Sope ist eine recht dicke, kleine Tortilla mit einem breiten Rand. Oben auf die Tortilla werden Käse, Bohnen, Salat und Sahne getürmt.

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Chilaquiles : In Dreiecke geschnittene, gebackene (harte) Tortillastücke, die in Salsa gebadet werden und mit Bohnen und Fleisch oder Ei serviert werden. Das ist vor allem ein Frühstücksgericht.

Totopos : Dreieckige, gebackene Tortillastücke (hart) mit Salz, die man so knabbert oder zum Beispiel mit Guacamole zusammen isst. Der Totopo ist in diesem Fall sowas wie ein Cracker, also das Transportmittel des Guacamole-Dips zum Mund.

Nachos : Totopos mit Käse überbacken, oft auch mit Guacamole, Hackfleisch oder Pico de Gallo (Tomaten- Zwiebel-Salat).

Tostadas : Gebackene (harte) Tortillas, die man generell mit etwas kaltem isst und oft mit Meeresfrüchten wie Thunfischsalat, Ceviche oder Shrimp-Cocktail (Coctél de Camarón).

Huarache : Wörtlich bedeutet dies “Sandale”, denn die Form dieses Gerichts erinnert sehr an eine Schuhsohle. Es handelt sich um einen länglichen Maisfladen, der mit Bohnen, Fleisch, Käse und Nopal (kleingeschnittenes Kaktusblatt) bedeckt ist.

Von all diesen Gerichten lassen sich Gorditas und Quesadillas auch wunderbar frittieren. In Mexiko gibt es unzählige Maissorten, unter anderem auch blauen oder schwarzen Mais. Das führt dazu, dass es eben auch schwarze oder blaue Tortillas, Gorditas oder Quesadillas gibt. Ich erinnere mich gut daran, als mein Stiefvater bei einem Essen die Tortilladose öffnete: Er sah die blauen Tortillas, schloss die Dose wieder, schüttelte den Kopf und öffnete sie erneut, in der Hoffnung, er habe sich das blaue Lebensmittel nur eingebildet. Ein blaues Lebensmittel ist für uns Mitteleuropäer nunmal mit einigen wenigen Ausnahmen undenkbar und meistens ein Zeichen dafür, dass das Essen nicht mehr gut ist…

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Ihr seht: die Tortilla ist für die mexikanische Küche essenziell.

Wenn man also so denkt, wie eine Freundin von mir, die, als ich ihr erklärte, was auf der Speisekarte stand, sagte: “Och nee, Tortillas hatte ich gestern schon”, wird man es in Mexiko schwierig haben, etwas zu essen zu finden.

Es gibt viele Mexikaner, die tagtäglich ein oder mehrmals Tortilla essen und sich ein Leben ohne Tortilla überhaupt nicht vorstellen können. Als ich ihm mal erzählte, dass es in Deutschland so gut wie keine Tortillas gibt, fragte mein Schwager entsetzt: “Ihr habt keine Tortillas?? Aber was esst ihr denn dann???”

Tja, ich schätze, was in Mexiko die Tortilla, ist in Deutschland das Brot 🙂

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4 thoughts on ““Och nee, Tortilla hatte ich gestern schon””

  1. Dear Hannah, I always read your blog with great pleasure. When I visited the market of Chichicastenango in Guatemala in 1963, I saw a man selling white stones. When I asked him what it was, he said “chalk!” and when I asked what for, he replied “for the tortillas” as if it was obvious. I later learned that in that part of the world, as they lack calcium, they crunch pieces of chalk and add the crunched chalk to the flour of the tortillas. No wonder they have good teeth!

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    1. Dear Jean-Pierre,
      thank you so much for your comment! I love to hear that you enjoy the blog and can identify yourself with a few things from when you visited Central America 😉
      See you soon!!!

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  2. Ich habe zwar grade erst gegessen (natürlich gab’s Tortilla als Beilage), aber beim Anblick der Gorditas und vor allem des jungen Herrn bekomme ich doch schon wieder richtig Appetit. Provech!

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