Kontraste

Seitdem ich das erste Mal mexikanischen Boden betrat vor nun fast 7 Jahren, habe ich immer wieder festgestellt, wie kontrastreich dieses Land ist. In Deutschland gehört die Mehrheit der Menschen der Mittelschicht an, wir sind also weder reich noch arm. Kulturell und geografisch gibt es Unterschiede vor allem zwischen der Nord- und der Südhälfte Deutschlands und historisch sind wir natürlich eher in Ost und West aufgeteilt. Aber dennoch gibt es keine großen Unterschiede innerhalb des Landes die man wirklich am (fast) gleichen Ort ausmachen kann, zumindest nicht so wie in Mexiko.

In Mexiko leben Reichtum und Armut fast Tür an Tür. Zumindest innerhalb einer Stadt – und hier ist Querétaro ein sehr schönes Beispiel – findet man viele, viele Kontraste zwischen Arm und Reich. Menschen bitten auf der Straße um Geld während andere von ihrem Fahrer durch die Stadt gefahren werden. Die Behausungen der verschiedenen Geldbeutel und sozialen Schichten könnten unterschiedlicher nicht sein, so gibt es sehr einfach gehaltene Häuser ohne Sicherheitsvorkehrungen genauso wie wunderschöne, für die Anzahl der Menschen die in ihnen leben riesige Häuser mit Hausangestellten, Gärtnern und eigenem Sicherheitssystem. Dazwischen gibt es natürlich auch alle denkbaren Arten von Häusern. Allein bei der Behausung macht der Unterschied zwischen Arm und Reich aber nicht halt, denn genauso gibt es Läden für die verschiedenen Geldbeutel, Schulen, Universitäten und so weiter. Überhaupt ist Bildung als Thema genauso kontrastreich: Die Universität in Mexiko-Stadt, die UNAM, ist eine der besten Universitäten in Lateinamerika, fast alle Berufe muss man an der Uni oder Fachhochschule erlernen weil es so etwas wie eine Ausbildung nicht wirklich gibt. Und dennoch sehe ich oft Schilder, die falsch geschrieben sind oder begegne Menschen, die grammatikalische Fehler in ihrer Muttersprache machen.

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Ein großer Unterschied ist natürlich auch der zwischen Stadt und Land wie wahrscheinlich in vielen Ländern dieser Welt: Auf dem Land sind die Menschen traditioneller eingestellt und oft auch einfacher gestrickt, man kennt sich untereinander im Dorf und oft gibt es wenig Fortschritt oder diesen nur langsam. Die Stadt ist “weltoffener” und es gibt fortschrittlich denkende genauso wie traditionell eingestellte Menschen. Auf dem Land sind die Menschen vertrauenswürdiger, man muss nicht so viel Angst haben, bestohlen oder beschissen zu werden wie in der Stadt eben weil sich im Dorf alle kennen. Allerdings gibt es auf dem Land auch weniger Ressourcen was oft bedeutet weniger Möglichkeiten – sei es in Bezug auf Bildung, finanzielle Mittel oder die Umsetzung neuer Ideen, zum Beispiel den Ausbau der touristischen Infrastruktur. Da sind unsere beiden mexikanischen “Heimaten” ein schönes Beispiel: Der Touribus (doppelstöckiger Sightseeingbus), der durch Querétaro fährt ist unter der Woche meistens leer während die Menschen in dem schönen Aculco gerne mehr aus ihrem Ort machen würden, der mit Wasserfällen und Wanderrouten alles hat, was ein ökotouristisches Ziel braucht, allerdings fehlt das Geld um in touristische Infrastruktur und Marketing zu investieren. Genau so sieht es auch mit Sauberkeit aus – das Zentrum Querétaros wird stets absolut sauber gehalten: die orange gekleideten Straßenfegerinnen fegen jedes Blatt weg, was versucht, sich auf dem Boden der historischen Plätze und Fußwege niederzulassen. Das Zentrum ist eben das Vorzeigeviertel der Stadt, es ist touristischer Ort und hier muss man sich von seiner besten Seite zeigen. Ähnlich sieht es auch in Aculco aus, zwar nicht ganz so sauber wie in Querétaro, aber auch sehr sauber im Vergleich zu zum Beispiel den vollgemüllten Grünstreifen in Querétaro oder Mexiko-Stadt oder auch nur dem Wald oder Wasserfall in Aculco, wo auch gerne mal Müll rumliegt…

Wenn wir schon dabei sind: Landschaften. Mexiko ist landschaftlich unheimlich vielfältig und hat an Ökosystemen und Klimazonen fast alles zu bieten – Flachland, Berge, Schluchten, Strand, tropischer Regenwald, gemäßigte Zonen mit Laub- und Nadelwald, trockene Gegenden, Wüste, Vulkane und vieles mehr. Ich kann euch gar nicht sagen, wie oft es mir schon passiert ist, dass wir ins Auto stiegen und ich richtig gekleidet war, dann fuhren wir zwei Stunden, stiegen irgendwo kurz aus und mir war kalt. Wir fuhren weiter zu unserem Ziel und da war mir heiß… Die Höhenunterschiede und damit verbundenen Klimazonen führen dazu, dass es an recht nah beieinander gelegenen Orten sehr unterschiedlich sein kann bezüglich des Klimas. Eine Reise vor ein paar Jahren mit dem Auto von Querétaro in die Huasteca Potosína und dann durch die Sierra Gorda zurück nach Querétaro machte das besonders deutlich: Am ersten Tag fuhren wir durch Wüste, in der Huasteca Potosína erwartete uns Regenwald. In Xilitla waren die Hitze und die Luftfeuchtigkeit geradezu erdrückend und am nächsten Tag in der Sierra Gorda war es wieder frisch und wir konnten durchatmen bei ca. 20°C. Im Bundesstaat Chiapas ist das übrigens sehr ähnlich, auch wenn man aufgrund der geografischen Lage erstmal denkt, dass es da prinzipiell heiß ist, schließlich ist es der südlichste Bundesstaat und grenzt an Guatemala. San Cristóbal de las Casas ist im Gegensatz zu zum Beispiel Palenque so hoch gelegen, dass mir hier echt kalt war und ich mir einen dicken Pulli kaufen musste…

 

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